Kirche Nordstrand-Odenbüll

- 900 Jahre -



Rundgang um die Kirche

Nommensen-Gedenkstein in Odenbüll


Der Gedenkstein am Aufgang zur Kirchwarft erinnert an den „Apostel der Batak“, den Nordstrander Ludwig Ingwer Nommensen (1834-1918). Nommensen gilt als Begründer der Batakkirche auf Sumatra/Indonesien. Zu dieser Kirche gehören heute etwa drei Millionen Christen. Ein weiterer Gedenkstein, an der Innenseite des Deiches am Norderhafen markiert den Ort, an dem sein Geburtshaus stand.

Gedenkstein am Deich (bis zum Abschluss der Deicharbeiten steht er in Odenbüll)


Die ältesten Teile der Odenbüller Kirche sind die Innenmauern des Mittelschiffs. Sie stammen aus dem 13. Jahrhundert. Das ursprüngliche Backsteinmauerwerk wurde 1889 durch eine Vorblendung verdeckt. Aus diesem Jahre stammt der Dachreiter, der den bis dahin östlich der Kirche stehenden Glockenturm ablöste. Im Altarraum und an der südlichen Außenwand der Kirche sind einige schöne alte Grabsteine aus dem 17. Jahrhundert angebracht. Der Friedhof um die Kirche herum wird seit 1876 nicht mehr benutzt. Der neue Friedhof liegt zweihundert Meter südlich der Kirche.

Der ursprünglich spätgotische Altarraum wurde bei der Renovierung 1965/66 durch einen Neubau ersetzt. Seine Gründungspfähle musste man 20 m tief in den Grund treiben, da die Warft aus nicht tragfähigen Torf- und Tonschichten besteht. Im Altarraum und an der südlichen Außenwand der Kirche stehen Grabsteine aus dem 17. Jh. Die Odenbüller Kirche hat eine reiche Innenausstattung. 


Rundgang durch das Kircheninnere


Der spätgotische Schnitzaltar (um 1480) ist eine handwerklich wie künstlerisch meisterliche Schnitzleistung. Er enthält im Mittelteil eine figurenreiche Darstellung der Kreuzigung aus der Vor-Brüggemannschen Zeit, die aus drei großen Blöcken und einem kleineren Block gearbeitet ist. Der Streit der Kriegsknechte um den Rock Christi ist besonders anschaulich dargestellt. Auf den Seitenflügeln sind Apostel, Bischöfe und Heilige dargestellt. In der Nische im Altaruntersatz findet sich ein  Abendmahlsgemälde (Öl auf Eiche) von 1686 links und rechts dazu die Einsetzungsworte des Abendmahls.

Früher  enthielt die Predella eine Gruppe »Anna selbdritt«: Anna, die Mutter der Maria, Maria als Königin mit dem Christuskind, im Hintergrund Joachim (der Legende nach der Mann der Anna) und Joseph. Dies war ein im späten Mittelalter während der gotischen Periode ein häufig gestaltetes Motiv. Anna ist eine legendäre Gestalt, die nach apokrypher Überlieferung mit Joachim in  Nazareth wohnte Erst im hohen Alter wird ihnen auf wunderbare Weise ein Kind geboren: Maria. In der Barockzeit (1686) wurde die Figurengruppe durch das Abendmahlsgemälde ersetzt.




Der Taufstein aus Namurer Marmor ist im 15. Jahrhundert aus Belgien importiert worden. Prägnant ist die achteckige Pokalform mit profiliertem Schacht und ausladender Cuppa. Die alte silberne Taufschale in der Formn eines tiefen Tellers, die von der 1737 verstorbenen Pastorentochter Elsabe Harsen gestiftet wurde, ist 1966 gestohlen worden. Von 1966 bis 1998 diente eine einfache Zinnschale als Ersatz. Durch Spenden und Kollekten war es 1998 möglich eine neue bronzene Taufschale in Auftrag zu geben, die von Schobüller Bildhauer Ulrich Lindow gestaltet wurde.

 

Sie weist auf dem äußeren Rand mit Wellen und Sonne auf die Schöpfung hin. Auf dem Innenrand sind die Seligpreisungen der Bergpredigt dargestellt. Das Schöpfungswerk Gottes und das Heilswirken Jesu Christi beziehen sich aufeinander. Eindrücklich ist auch das Wassersymbol der Taufschale mit dem Dreieck, dem Kreuz und der Taube, für Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist. 2004 haben Harry Schröder und Heino Behrend eine Tragplatte mit 15 Mini-Rollen entwickelt, die es ermöglichen den Taufstein zu Taufen in die Mitte des Altarraumes zu schieben.



Die Kanzel von 1605 trägt die plattdeutsche Inschrift: "SALICH SINT DE DE DAT WORDT GADES HOREN UND BEWAREN." LUCAE XI. Sie gehört zum Eiderstedter Kanzeltypus und trägt reiche Ornamente. Die Darstellungen sind sehr plastisch heraus gearbeitet. In den Feldern sind dargestellt: 1. Sündenfall, 2. alter und neuer Bund (Hinter dem halbdürren, halbbelaubten Baum sitzt Adam, der sterbliche Mensch, auf einem Sarge, der sich vom alten Bund - Mose, Gesetz, Schlange - abwendet und sich für den neuen Bund, das Evangelium, entscheidet. Johannes der Täufer zeigt auf den Gekreuzigten

 3. Kreuzgruppe, 4. Auferstehungund 5. Jüngstes Gericht. In vier Feldern darüber können Sie die vier schreibenden Evangelisten mit ihren Symbolen entdecken, die auch im Kruzifix an der Südwand zu finden sind. Folgende Inschrift findet sich zwischen den Säulenpostamenten: "DISSEN PREDIKSTOL HEBBEN SALIGE LEVE MELFSENS ERVEN WEGEN ERE SUSTER SALIGE ANNA HUMMERS GADE THOM ZIERDE MAKEN UN DE SETTEN LATEN". Die beiden darunter befindlichen Wappen sind von Leve Melffsens Kinder, die sich Levesen nannten. Leve Melfsen war ein reicher Grundbesitzer zu Odenbüll.



Die Empore ist eine Stiftung von 1715 bestehend aus achtzehn Bildfeldern (Öl auf Tannenholz) mit einer Stiftertafel vorweg. Dargestellt ist an der Westseite der Sündenfall und Jakobs Kampf mit dem Engel. An der Nordseite  Mose und die die Eherne Schlange. Es folgt das Bilderevangelium: Ankündigung der Geburt, Anbetung der Hirten, Beschneidung, Anbetung der Könige, Taufe, Abendmahl, Gethsemane, Geißelung, Verspottung, Kreuztragung, Kreuzigung, Grablegung, Auferstehung, Himmelfahrt, Pfingsten und Jüngstes Gericht. Bei der Verlegung der Orgel an die Westempore schieden einige Bilder aus, darunter auch die Opferung Isaaks.


Die Orgel wurde um 1880 von dem Orgelbauer Färber-Tönning erbaut und 1894 an ihren jetzigen Standort (Westwand) versetzt. Sie war ursprünglich eine einmanualige Orgel mit angehängtem Pedalwerk. Die Pedallade wurde vermutlich 1894 bei ihrer Versetzung an die Westwand hinzugefügt. Bei einem 1952 von dem Orgelbauer Brandt-Quickborn vorgenommenen Umbau ist sie um ein zweites Manual erweitert worden, welches mit fünf Registern ausgestattet wurde.



An manchen Bänken und am Eingang zum Pastorenstuhl sind beachtliche schmiedeeiserne Huthalter und Eingangsbögen aus dem 17. Jahrhundert zu finden. 1.-3. Bogen aus gedrehtem Stab, den Eingang zwischen zwei Wangen bekrönend im Scheitel des Bogens befindet siche eine tulpenartige Blüte, seitlich davon je eine Volutenblüte. (ÄHnliche Huthalter finden sich in der Alten Kirche auf Pellworm)

Der Pastorenstuhl vorne rechts im Altarraum mit seiner reizvollen Aussägearbeit stammt aus dem 18. Jahrhundert.


Besonders hervorzuheben ist knapp 260 cm große spätgotische Triumpfkreuz  an der Südwand der Kirche (um 1400). Es hing ursprünglich im Chorbogen. Der gekreuzigte Gottessohn nimmt menschliche Züge und Haltung an. Der Corpus ist an einem einfachen Kreuz angebracht, das auf einem größeren mit vertieften Rundmedaillons und krabbenartigen rundbogigen Ansätzen befestigt ist. In den Medaillons befinden sich im barocken Stil die gemalten Evangelistensymbole: Matthäus (Mensch), Markus (Löwe), Lukas (Stier) und Johannes (Adler).



Die beiden wunderbaren Kronleuchter in unserer Kirche stammen aus der Werkstatt der Nordfriesischen Metallkunst. Sie wurden in Husum gefertigt und zu Pfingsten 1986 festlich eingeweiht. Sie bestehen aus je 25 Glühlampen und lassen sich stufenlos dimmen. Die Fische und Ornamente sind speziell für unsere Kirche entworfen worden. Fische gehören zu den ältesten Symbolen der Christenheit. Mit dem Zeichen des Fisches haben sich bereits die ersten Christen in Rom in Zeiten von Not und Verfolgung einander zu erkennen gegeben.



Die gotischen Fenster unserer Kirche sind ein echter Blickfang und dank der neuen Vorverglasung schützen Sie vor Wind und Wetter. 2012 sind alle Scheiben der gußeisernen Fenster ausgetauscht worden. Im Zuge dieser Maßnahme wurden die Rahmen aufwändig aufbereitet und neu gestrichen. Nach dem Einsetzen der neuen Scheiben erhielten die Fenster eine wetterabweisende Vorverglasung. Diese wichtige Maßnahme hat der Kirchbauverein in Abstimmung mit der Kirchengemeinde organisiert und komplett finanziert. Vielen Dank!



Die große Bronzeglocke im Dachreiter stammt aus der Glockengießerei Jacob Friedrich Beseler aus Rendsburg. Sie wurde 1847 gegossen und hat einen Durchmesser von 120 cm. Sie stammt aus dem früher freistehendenden Glockenstapel. Mit dem Umbau der Kirche von 1890 gelangte sie an ihren jetzigen Ort. Eine Glocke mit der Inschrift "Sunte Vicentius bin ick geheten, de van Odenböll heben mi laten geten 1507" wurde 1779 von B.J. Beseler umgegossen, der Umguss ist nicht erhalten.